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Roadtrip Schweden - Natur und viel Wasser

05.08.2022 · Mediathek · Schweden

Drei Reisen, je rund fünf Wochen: Übernachtungsplätze am Wasser mit Koordinaten, ein durchgerosteter Auspuff und eine Oldtimerwerkstatt, Mücken zu Abertausenden — und ein Moor im Nationalpark Hamra, an das wir ein Jahr später auf zehn Meter genau zurückgekommen sind.

Drei Reisen, ein Thema

Schweden ist ein Land mit viel Natur und vor allem viel Wasser. Flüsse und Seen begleiten dich auf jedem Abschnitt — von Süd nach Nord, von Ost nach West oder umgekehrt. Wir waren dreimal dort: 2015, 2021 und 2022, jedes Mal rund fünf Wochen.

Dieser Bericht fasst die drei Reisen zusammen. Nicht als Tagebuch — das wäre eine Serie. Sondern entlang dem, was sich in allen dreien wiederholt hat: Wasser, Übernachtungsplätze, Feuer. Und ein paar Dinge, die wir beim ersten Mal nicht wussten.

Das Video zeigt Spots am Wasser mit Koordinaten, aufgenommen mit der Drohne auf der Reise 2022. Die Plätze stehen weiter unten auch als Liste.

Der Muli

Der grüne VW-Bus an der Leitplanke über dem Waldsee

Das ist der Muli — der ältere Bruder unseres MuliMotion. Wir haben beide noch, und der Muli war auf allen drei Skandinavienreisen dabei.

Tacho bei Nacht: 361.771 km

361.771 Kilometer, fotografiert am Abend des 8. Juli 2022 in Dalarna. An dem Tag waren 175,9 davon dazugekommen.

Ziemlich am Anfang: der Auspuff

Am 21. Juni 2021, kurz nach dem Start, machte sich der Auspuff bemerkbar. Der erste Blick reichte: Endrohr durchgerostet.

Google Maps zeigte einige Kilometer weiter eine Oldtimerwerkstatt. Old Iron Kustoms, Källebäcken Sågen bei Habo in Västergötland — Blecharbeiten und Rostsanierung an Oldtimern, amerikanisch wie europäisch. Also hin.

Vier Männer vor dem goldenen Oldtimer in der Werkstatt

Die Jungs halfen sofort. Es wurde ein langer Nachmittag mit guten Gesprächen. Bezahlen wollten sie nichts — also gab es eine Flasche schottischen Whisky. Die Freude war groß, und die Lösung war für alle gut.

Wenn dir in Schweden etwas am Fahrzeug kaputtgeht: such nicht die nächste Vertragswerkstatt. Such die nächste Schrauberbude.

Wo man steht

Wir haben in drei Reisen nie auf einem Campingplatz übernachtet. Meistens auf den Parkplätzen der Nationalparks, sonst irgendwo am Wasser. Weggeschickt wurden wir nie.

Eine Sache vorweg, weil sie oft falsch erzählt wird: das Jedermannsrecht (Allemansrätten) gilt für Camper eigentlich nicht. Es deckt Zelt und Rucksack ab, nicht das Wohnmobil. Was in der Praxis trotzdem funktioniert, ist einfach: Wo privat steht, fährt man nicht. Es gibt genug Plätze, auf denen man parken und übernachten darf. Und wenn gerade nichts Passendes da ist, fährt man ein Stück in den Wald.

Senkrecht auf einen Waldsee mit langem Steg, Ortsstempel „Ljungby N“

Sechs Bretterhütten an einer Sandpiste, Ortsstempel „Hamra“

Bootshafen von oben, Ortsstempel „Fröjdendals Småbåtshamn, Ellös“

Diese drei tragen den Ortsnamen und die Koordinaten direkt im Bild — so haben wir sie damals auch auf Social Media geteilt.

Feuchtwiese im Abendlicht, rechts Wohnmobile und eine rote Halle

Und so sieht ein guter Platz aus, wenn man nicht die Wiese fotografiert, sondern die Ecke rechts davon: Storforsen, 22. Juni 2022, halb elf abends.

Hamra — der Platz, an den wir zurückkommen

Senkrecht auf das Moor: Bohlenwege und Plattformen, Juni 2021

Dasselbe Moor, dieselben Bohlenwege — Juli 2022

Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen ein Jahr und knapp zwei Wochen — der 24. Juni 2021 und der 7. Juli 2022. Der Standpunkt der Drohne unterscheidet sich um zehn Meter. Das war keine Absicht, sondern Gewohnheit: Wenn wir dort oben sind, fahren wir den Nationalpark Hamra an, wenn es passt.

Er wurde am 24. Mai 1909 ausgewiesen und ist damit einer der neun ältesten Nationalparks des europäischen Festlands. Lange war er mit 28 Hektar der kleinste Schwedens; 2011 wurde er auf 1.383 Hektar erweitert. Was du auf den Bildern siehst, ist genau das, was ihn ausmacht: ein Rundweg über zwei flache Moränenhügel am kleinen See Näckrostjärnen, in den sumpfigen Abschnitten auf Holzbohlen gelegt. Ringsum steht Urwald — die ältesten Fichten sind an die 300 Jahre alt und hängen voller Flechten.

Die Zufahrt geht von der Riksväg 81 zwischen Orsa und Sveg ab Fågelsjö über eine Stichstraße. Am Parkeingang gibt es einen Parkplatz mit Schutzhütte und Infotafeln.

Sonnenuntergang über der Moor- und Seenlandschaft

Und zur Mittsommerwende gibt es dort Sonnenuntergänge, für die man nicht weiterfahren muss.

Am Picknicktisch im Moor, rechts die Feuerschale

Senkrecht von oben: der Platz zwischen den Baumkronen

Unweit davon gibt es außerdem einen Fluss zum Packraften. Dazu ein andermal mehr.

Feuer und Essen

An vielen Plätzen — gerade in den Nationalparks — liegt das Feuerholz an den Grillstellen schon bereit. Das ist der Unterschied zu vielen anderen Ländern, und man merkt es sofort. Bei Waldbrandgefahr gilt trotzdem: sorgsam sein.

Große gusseiserne Feuerstelle mit Kesselgalgen am Seeufer

Zwei Messer und eine Fiskars-Axt auf dem Picknicktisch, dahinter die Feuerschale

Gekocht haben wir meistens selbst. Einkaufen im Supermarkt, dann wieder raus aus der Zivilisation. Kein Konzept, sondern der Normalfall.

Drei Würstchen auf dem Klapprost über der Glut, dahinter Sandstrand und Fluss

Und wenn wir doch mal in einen Ort kamen, sind wir essen gegangen.

Fischsuppe mit Muscheln, Lachs und Dill, dazu geröstetes Brot

Nach Norden

Mächtige Stromschnellen schieben sich weiß durch den Nadelwald

Der Storforsen im Piteälven, rund 40 Kilometer westlich von Älvsbyn. Die Fallstrecke ist fünf Kilometer lang, der Höhenunterschied 82 Meter — die größte ungebändigte Stromschnelle Europas. Zur Mittsommerzeit steht das Wasser am höchsten.

Wir standen 2022 dort. Und, wie sich beim Durchsehen der alten Bilder herausstellte, schon am 6. Juni 2015 — an derselben Stelle. Man vergisst so etwas.

Weiter nördlich der Sarek.

Das Rapadelta von oben: verzweigte Flussarme im grünen Talboden

Der Tafelberg Nammatj im Mitternachtslicht über dem Laitaure

Bohlenweg durch die Butterblumenwiese auf die roten Fjällhütten von Aktse zu

Die Mehrtagestour dorthin steht als eigener Bericht: Mehrtagestour zum Skierffe im Sarek NP.

Die Mücken

Blick von innen durchs Mückennetz, außen sitzen sie zu Dutzenden

Das Bild zeigt Dutzende. In Wirklichkeit waren es tausende und abertausende. Eine echte Katastrophe — sie rauben einem nicht nur den Schlaf.

Was hilft: Auto fahren, Lüftung auf Maximum. Mehr haben wir nicht gefunden.

Und dann sind wir einfach nach Norwegen geflüchtet.

Knietief im klaren Fluss, Arme ausgebreitet

Die Serpentinen des Trollstigen ziehen sich die Bergflanke hinauf

Aussichtsplattform aus Holz und Beton, weit über die Kante hinaus

Am Dovrefjell standen die Moschusochsen im Gelände. Und das Wetter machte, was es in Norwegen macht: regnerisch, windig, etwa 13 Grad. Im Juli.

Wolken hängen im Tal bis auf den Bach herunter

Gelbe Daunenjacke, Kapuze auf, Hände in den Taschen

Man muss dazusagen: gestört hat es uns nicht besonders.

Zwei Gesichter dicht an der Kamera, beide mit Cap

Nach ein paar Tagen war es uns dann doch zu kalt. Also zurück — aber nach Südschweden. Das ist über Jahrhunderte trockengelegt worden und hat deutlich weniger Mücken zu bieten. Wer im Juni oder Juli in den Norden fährt, sollte das im Hinterkopf haben: die Mückensaison ist kein Detail, sie bestimmt den Tagesablauf.

Der Vildmarksvägen

Die Straße zwischen meterhohen Schneewänden, Schild „Jämtlands län“

Schild „876 m ö.h.“ im geschlossenen Schneefeld, daneben ein Schneemobil

Das ist der 8. Juni 2015 auf dem Stekenjokk, dem höchsten Punkt der Strecke bei 876 Metern. Die Straße war eine Rinne zwischen Schneewänden.

Seenlabyrinth mit grünen Inseln und Schneezungen, fast wie eine Landkarte

Und das ist fast derselbe Punkt am 29. Juni 2022: Schnee nur noch in Flecken. Bevor daraus jemand eine Klimageschichte macht — zwischen den beiden Aufnahmen liegen drei Wochen im Jahreslauf, und das erklärt den Unterschied vermutlich vollständig. Was es zeigt, ist etwas anderes: wie schnell sich dort oben die Jahreszeit ändert.

Der Pass ist offen, wenn er befahrbar ist. Feste Termine gibt es nicht.

Für den Rundweg solltest du zwei bis drei Tage einplanen. Wer wandern will, braucht länger — und wird es nicht bereuen.

Der Wasserfall von oben: das Wasser schießt aus einer schmalen Felsklamm

Das ist das Gaustafallet, gut einen Kilometer nördlich der Abzweigung nach Leipikvattnet und nur ein paar Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Der Fluss Gauste — samisch Gaustajokk — wird kurz nach dem Zusammenfluss zweier Bäche in eine schmale Passage gepresst und hat sich eine Klamm in den Schiefer geschnitten. Im Frühsommer ist er am wildesten.

Du musst nicht laufen: An der Straße gibt es eine Parkbucht mit Schild, von dort sind es ein paar Schritte. Mit etwas Glück brütet ein Falke in der Felswand. Und eine Szene aus Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ wurde hier gedreht.

Mitternachtssonne über einem langgestreckten Waldsee

Spiegelglatter See kurz nach Mitternacht, Nebelschwaden über dem Wasser

Das zweite Bild entstand um 01:01 Uhr. Im Norden hört der Tag im Juni einfach nicht auf, und irgendwann fährt man nicht mehr weiter, weil es dunkel wird, sondern weil man müde ist.

Nach Süden

Hafenpanorama zum Sonnenuntergang, falunrote Bootshäuser und Stege

Die Schärenküste in Bohuslän ist ein anderes Schweden: kleine Häfen, blank geschliffener Granit, abends Licht bis nach elf.

Leere Schleusenkammer im Abendlicht, rechts das Ortsschild BERG

Die Schleusentreppe von oben: Kammer hinter Kammer den Hang hinauf

Ganz im Süden dann der Göta Kanal bei Berg. Auch dazu gibt es einen eigenen Bericht: Der Göta Kanal — Schwedens längstes Bauwerk.

Die Spots am Wasser

Alle Koordinaten stammen aus den Bildern, sind also auf den Aufnahmestandpunkt genau — nicht auf den Parkplatz. Übernachten darfst du nicht überall, wo man gut steht; das musst du vor Ort beurteilen.

OrtKoordinatenwas dich erwartet
Ljungby N, Småland56.974, 13.996Waldsee mit Steg, ruhig
Hamra (Ort)61.691, 14.89811 km vom Park, Bretterhütten an der Sandpiste
Nationalpark Hamra, Orsa Finnmark61.767, 14.767Bohlenwege durchs Moor, Urwald, Mittsommer-Sonnenuntergänge
Storforsen, Norrbotten65.853, 20.409Europas größte ungebändigte Stromschnelle
Laitaure, Sarek67.153, 18.324Blick auf Nammatj und das Rapadelta
Stekenjokk, Vildmarksvägen65.126, 14.440Hochfläche, Seenlabyrinth, 876 m
Gaustafallet, Jämtland64.969, 14.203Wasserfall direkt an der Straße, Parkplatz
Waldsee bei Gäddede64.630, 14.137Mitternachtssonne über dem Wasser
Flussstrand, Dalarna61.435, 15.471Sandbank, Feuerstelle, Badestelle
Seeufer, Uppland60.219, 16.848gusseiserne Feuerstelle mit Kesselgalgen
Fröjdendals Småbåtshamn, Ellös58.197, 11.492Bootshafen in den Schären
Berg, Göta Kanal58.486, 15.525Schleusentreppe, Café, Kanalufer

Was wir gelernt haben

Die Mückensaison bestimmt die Route. Nicht das Wetter, nicht die Kilometer. Wenn es im Norden losgeht, hilft nur Fahren oder Ausweichen.

Zwei bis drei Tage für den Vildmarksvägen. Weniger lohnt nicht.

Feuerholz liegt bereit — an vielen Grillstellen in den Nationalparks. Du musst nichts mitschleppen, aber du musst mitdenken.

Nicht auf den Campingplatz. Es geht auch anders, und es geht legal, wenn man sich an die Regeln hält.

Und: such die Schrauberbude, nicht die Vertragswerkstatt. Der beste Nachmittag der Reise 2021 war der, an dem etwas kaputt war.